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Gerichtsgutachten mit Fotos

Ein Inserat mit vielversprechenden Werbeaussagen und ein Berufstitel, der an einen akademischen Grad denken lässt (den es allerdings gar nicht gibt) war der Auslöser. Herr J.H. aus S. beauftragte die Deutsche Präparationsfirma xxx mit der Präparation eines Hechtkopfes.

Ca. 2 Jahre musste J.H. Geduld haben, bis er das fertige Präparat erhielt. Als J.H. das Präparat sieht, ist er maßlos enttäuscht:

Das soll Gefriertrocknung sein?

Das soll von einem "diplomierten" Fischpräparationsbetrieb sein?

Pfusch pur, J.H. möchte diese Trophäe nicht, sondern sein Geld zurück. Die Präparationsfirma lehnt ab, J.H. konsultiert einen Rechtsanwalt. Nachstehend auszugsweise ein Gutachten von Präparator Ernst Hofinger über den beanstandeten Hechtkopf. Aus Fairnessgründen wird der Name des Deutschen Präparationsbetriebes nicht genannt.

Gutachten an Rechtsanwalt J.T. in H.:

Gegenüberstellung:

Alle oben aufgezeigten Mängel sind nachfolgend fotodokumentiert und jeweils einem von der Größe vergleichbaren Hechtkopf aus Fertigung der Firma Hofinger gegenübergestellt:

Zusammenfassung

Das Hechtkopf-Präparat weist verschiedene Mängel auf, die vorstehend detailliert behandelt wurden. Ein Präparator ist dazu verpflichtet, ein Tierpräparat erstens vor biologischem Zerfall sowie Schädlingsbefall zu bewahren und zweitens einem Präparat eine natürliche artgerechte Form bzw. Aussehen zu geben. Darüber hinaus gehende Ansprüche eines Kunden, die die Ausführung im Detail betreffen, müssten bei Auftragserteilung ganz klar abgesprochen werden. Ansonsten kann der Präparator in künstlerischer Freiheit gestalten und ausführen. Wie weit ein Präparator bei einem Hechtkopf die Kiemen öffnet oder sie schließt, welche Farben er verwendet, ob das Präparat dem Kunden im gesamten Erscheinungsbild gefällt oder nicht, führt zu keinem Schadenersatzanspruch des Kunden. In diesem Punkt bleibt lediglich der Kulanzweg.

Anders verhält es sich bei vorliegendem Hechtkopf in punkto Schrumpfungen. Wenn der Auftraggeber im Inserat oder der Homepage der Firma xxx Aussagen wie z.B.

• Gefriertrocknungsverfahren, schrumpfungsfrei

entnimmt und daraufhin den Auftrag zur Präparation erteilt, so kann er davon ausgehen, dass er ein schrumpfungsfreies Präparat zurückbekommt. Da der Auftraggeber schon mehrere gefriergetrocknete Fischpräparate von einer anderen Präparationsfirma besaß, wusste er umso besser, welche Qualität er erwarten könne.

Das von Firma xxx gelieferte Hechtkopfpräparat weist allerdings keineswegs die typische Schrumpfungsfreiheit gefriergetrockneter Präparate auf. Vielmehr sind starke, hässliche Schrumpfungsfalten vorhanden. Das Präparat wirkt nicht wie gefriergetrocknet sondern eher wie konventionell luftgetrocknet. Ein solches luftgetrocknetes Präparat hätte J.H. aber um mindestens 50 % billiger bei unzähligen Präparationsbetrieben haben können.

Diese Schrumpfungen sind der gravierendste Makel an dem Präparat und berechtigen sicherlich zu der Forderung Herrn J.H.'s auf Rückgabe des bezahlten Entgeltes. Den ideellen Wert einer so kapitalen Trophäe wird J.H allerdings nicht einfordern können.